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Ein Abend mit Symbolkraft und nachdenklichen Worten
Coswig und die Volksbank Dessau-Anhalt laden in Lindenhof ein - Kein Platz bleibt frei
VON DIRK SKRZYPCZAK
COSWIG/MZ. Zwischen Hoffen und Bangen ist zuweilen nur ein schmaler Grad. So spricht der Coswiger Stadtratsvorsitzende und Banker Albrecht Hatton (CDU-Fraktion) auf dem gemeinsamen Neujahrsempfang der Stadt Coswig und der Volksbank Dessau-Anhalt am Montagabend im proppenvollen Lindenhof von ermutigenden Signalen aus der regionalen Wirtschaft. Die Konjunktur ziehe bereits wieder an, die Entwicklung sei "besser als vor Jahresfrist". Arbeitsplätze zu schaffen, sei die beste Sozialpolitik. Bürgermeisterin Doris Berlin (parteilos) sieht das prinzipiell nicht anders, spricht angesichts der dramatischen Haushaltslage mit einem saftigen Defizit von wohl über vier Millionen Euro im aktuellen Etat aber auch von "schlaflosen Nächten". Nur das, was man einnehme, könne man ausgeben. "Die vier Grundrechenarten lassen sich nicht durch die Politik aufheben." Verantwortung in diesen schweren Zeiten zu übernehmen, bedeute daher, nach neuen Wegen zu suchen, Mut und Geduld zu haben. Lob verteilen Berlin wie Hatton an die neuen wie alten Stadträte für ein konstruktives Klima.
Im Saal kommt die Botschaft an, doch speziell die Folgen der Wirtschaftskrise zu akzeptieren, fällt schwer. "Das eigentliche Desaster steht uns allen noch bevor", fürchtet der Kliekener Ortsbürgermeister Karl-Heinz Schröter (CDU-Fraktion). Jahrelang profitierte die Gemeinde von den Steuereinnahmen aus dem florierenden Gewerbepark; jetzt muss die Stadt den Gürtel enger schnallen. Nicht alle Wünsche, die noch vor der Eingemeindung selbstverständlich schienen, können umgesetzt werden. Dass Coswig für die Raffgier der Spekulanten an den Börsen nicht zur Rechenschaft gezogen werden kann, ist Schröter klar. Die kommunale Hochzeit stellt er keineswegs in Frage. "Die Zusammenarbeit funktioniert gut."
Der Abend, den Coswiger Musikschüler mit ihrem virtuosen Spiel wieder bereichern, lebt von seiner Symbolkraft. Besonders herzlich begrüßt Bürgermeisterin Berlin im Reigen der Persönlichkeiten ihren Wittenberger Amtskollegen Torsten Zugehör (parteilos). Zuweilen wird beiden Städten ja ein gestörtes Verhältnis nachgesagt, weil sich die Lutherstadt angeblich zu wichtig nehmen und darüber ihre Nachbarn vergessen soll. Tatsächlich war man sich zuletzt eher aus dem Weg gegangen. "Ich weiß nichts von Verspannungen", meint Zugehör. Er stehe für einen kollegialen Umgang und sehe nicht nur Coswig als Partner. Solche Worte kommen an. "Wir rücken enger zusammen. Das haben wir vereinbart", freut sich Doris Berlin.
Und drückt auch dem Thießener Bürgermeister Günter Lutze (CDU) die Hand. "Für das Theater in Magdeburg können wir nichts. Es wäre unanständig, Coswig dafür verantwortlich zu machen. Deswegen bin ich heute hier", sagt Lutze, der die Zukunft des Dorfes vorzugsweise weiterhin in Dessau-Roßlau sieht. Und so greift die Coswiger Bürgermeisterin in ihrer Ansprache die Landespolitik scharf an, weil Magdeburg den Reformgegnern nach einer Zwangsfusion per Gesetz weitreichende Rechte einräumen will. Dies sei ein Fausthieb ins Gesicht all jener, die sich freiwillig zu Eingemeindungen bekannt hätten. 15 Ortschaften zählt die Stadt.
Von politischen Knallraketen hält Wilhelm Raabe nicht viel. Er fordert seit Jahren als betroffener Anwohner der B 187 Zählbares und kämpft engagiert für die Coswiger Nordumfahrung. "Es ist für mich eine Ehre, heute eingeladen worden zu sein", erzählt der 70-Jährige. Es dürfte kein Zufall sein, dass ausgerechnet Uwe Hoyer, Fachbereichsleiter beim Landesbaubetrieb, neben Raabe Platz nimmt. Aussagen zum möglichen Baubeginn lässt sich der Fachmann nicht entlocken. "Ich habe den Termin aber schon im Kopf."
Und so bleibt zwischen leckeren Häppchen bis in die frühen Morgenstunden noch viel Zeit für einen gemütlichen Plausch. Die letzten Gäste sollen erst gegen 2 Uhr in die frostige Nacht entschwunden sein.
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