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Herz des Winkels schlägt für Dessau
Gegen einen politischen Frühschoppen wie im Mai 2009 hätten Vockeroder und Wörlitzer nichts
VON ANNETTE GENS
DESSAU/WÖRLITZ/MZ. Das Treffen fand genau dort statt, wo Dessau-Roßlau und Vockerode und damit der Landkreis Wittenberg zusammentreffen. Es ist eine Grenze, von der sich im Mai 2009 rund 50 Teilnehmer einer Sternfahrt wünschten, dass sie verschwinden möge, dass es ein Gartenreich ohne Kreisgrenzen gibt, dass Vockerode, Wörlitz, Horstdorf - der Wörlitzer Winkel - nach Dessau-Roßlau eingemeindet werden.
Es war die zweite Sternfahrt, mit der Dessau-Roßlauer wie Bürger des Wörlitzer Winkels im Mai 2009 den politischen Willen des Landes noch zu drehen versuchten. Bisher vergeblich. Trotz klarer Abstimmung beim letzten Bürgervotum im Wörlitzer Winkel im November 2009 soll das Gebiet im Landkreis Wittenberg verbleiben, weil der Wittenberger Kreistag einer Ehe der anhaltischen Orte mit Dessau-Roßlau nicht zugestimmt hat.
Ralf Schönemann, Stadtrat und Fraktionschef der Linken in Dessau-Roßlau, ist einer von vielen, die über mehrere Jahre hinweg in diesem Punkt immer wieder die Finger in eine offene Wunde legten. Dass das Land selbst die letzte Abstimmung im Wörlitzer Winkel ignoriere, zeige doch deutlich, "wie weit sich die Landespolitiker vom Willen der Bürger entfernt haben".
"Sind Sie dafür, dass Ihr Ort zusammen mit den anderen Orten der Verwaltungsgemeinschaft Wörlitzer Winkel eine Einheitsgemeinde Stadt "Oranienbaum-Wörlitz" bildet?" wurden die Bürger am 29. November 2009 gefragt. Allein die Wahlbeteiligung spricht Bände. Doch abgesehen davon hatten allein in Vockerode ganze 38 Bürger für und 528 gegen die Einheitsgemeinde gestimmt. Auch Wörlitz zieht es bekanntlich nach Dessau. Und so stimmten von 357 Wählern nur 99 einer künftigen Einheitsgemeinde zu.
Schmollen ist auf das folgende Schweigen des Landes nirgendwo angesagt. Man ist nicht überrascht. Vockerode und Wörlitz müssen nach vorne schauen, ist Schönemann Realist genug, "sie müssen notfalls ihre Rolle im Landkreis finden", sollte der Landtag im Frühjahr sein Votum für Wittenberg treffen. "Und wir in Dessau müssen gemeinsam mit den Nachbarorten schauen, wie wir die Zusammenarbeit weiter stärken." Die Schnittstellen zu den Nachbarn ergäben sich aus der Geschichte des Gartenreichs, das man nicht per Erlass oder durch ignorante politische Entscheidungen trennen kann.
Renate Luckmann, Bürgermeisterin in Vockerode, weiß, dass das Herz der Vockeroder weiter für Dessau schlägt. "Ich habe diesbezüglich keinen Stimmungswandel bemerkt", sagt sie und auch, dass Vockerode nicht gegen eine Einheitsgemeinde sei, nur "wollen wir diese in Dessau-Roßlau angesiedelt wissen". Der Landkreis Wittenberg mache es den Bewohnern des Wörlitzer Winkels auch nicht gerade leicht, erzählt sie, dass im Januar klammheimlich das in Wörlitz angesiedelte Bürgerbüro geschlossen wurde. Die nächste Anlaufstelle für Bürger den Winkels sei nun in Gräfenhainichen.
Es ist still geworden um die Gebietsreform. "Doch wir als Wörlitzer haben keinen Anlass, uns nicht an den Stadtratsbeschluss pro Dessau zu halten", sagt Kurt Schröter, Bürgermeister der Parkstadt. Bei einem Treffen mit Dessau-Roßlaus Oberbürgermeister habe man sich geeinigt, sich nochmals mit einem Brief an die Landtagsfraktionen zu wenden. Ob das wirklich hilft? - Schröter vermutet, dass die Parteidisziplin bei der Abstimmung der Abgeordneten stärker sein werde. Die Arbeit muss so oder so ohne Befindlichkeiten weitergehen, schaut das Wörlitzer Stadtoberhaupt nach vorn.
Und eine Sternfahrt wie im Mai 2009, wird es die nochmals geben? - Der Wörlitzer Bürgermeister ist dafür, ein solches Treffen möglichst noch vor der Landtagsentscheidung ins Auge zu fassen.
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